Interlaken und der Verkehr

Diskutiert wird immer und überall. Und das schon seit geraumer Zeit. Wirft man einen Blick auf die Abstimmungen, die seit 1920 in der Gemeinde Interlaken stattgefunden haben (PDF), findet man bereits im Juli 1947 eine Abstimmung über das «Projekt Ausbau der Höhenpromenade», welches von den 410 abstimmenden Bürger (die Frauen durften damals ja noch nicht mitbestimmen) mit 58% verworfen wurde. Kurze Zeit später, im Dezember 1950 stimmten 567 Bürger den «Verkehrsverbesserungen am Höheweg» mit 75.5% (751 Abstimmende) zu. Danach wird es ruhig im Zentrum von Interlaken, erst im September 1989 schmettert das Volk die Idee einer «Einstellhalle Höhematte» mit 79.6% (1568 Abstimmende) ab. Eine 1996 eingereichte Gemeindeinitiative «zur Schaffung von mehr Mitbestimmung für alle Interlakner Gemeindebürger in wichtigen Verkehrsfragen» ist beim Volk ebenfalls chancenlos und wird mit 65.9% an der Urne verworfen.

Zu dieser Zeit laufen die Vorarbeiten für den heute gültigen Verkehrsrichtplan Bödeli und das dazugehörende Projekt «Crossbow». Der Gemeinderat beschliesst, das Projekt in fünf Tranchen vors Volk zu bringen:

  • Bahnhofstrasse: 5,2 Millionen Franken
  • Höheweg: 7,8 Millionen Franken
  • Bödeliweg: 4,1 Millionen Franken
  • Ortseingänge und Information: 2,2 Millionen Franken
  • Parkleitsystem: 3,2 Millionen Franken

Die erste Abstimmung über den «Rahmenkredit für die Umgestaltung der Bahnhofstrasse» wird von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zwar knapp (52.5% Ja / 47.5% Nein oder 900 / 815 Stimmen ) angenommen, das Resultat aber aufgrund einer Beschwerde vom Regierungsstatthalter aufgehoben. Der Vorwurf der Beschwerdeführer lautete, dass die Gemeinde zu stark Einfluss auf das Abstimmungsverhalten genommen habe, weil sie den Abstimmungsunterlagen eine emotionale und farbige Werbebroschüre für «Crossbow» beigelegt hatte.

Massnahmen werden langsam, schrittweise umgesetzt

Von da an wurde es still um «Crossbow» und das Geschehen nahm seinen Lauf. Statt der geplanten Sanierung von Bahnhofstrasse wurde das «Crossbow»-Projekt abgespeckt und die Sanierungsarbeiten «zerstückelt». Eine Zeit der Baustellen, Umleitungen, Neubeschilderungen, Umbeschilderungen – generell eine Zeit, die allen Verkehrsteilnehmenden in und um Interlaken viel Nerven abforderte begann. Gleichzeitig belasteten weitere Baustellen den Verkehrsfluss, das teils über Jahre hinweg (siehe Kasten).

Am 3.7.2011 kommt ein Rahmenkredit über 5,6 Millionen Franken für die «Erneuerung und Umgestaltung Höheweg, Teilstrecke Harderstrasse bis Klosterstrasse (Flaniermeile)» vors Volk. Diesem Kredit und den damit verbundenen Arbeiten wird mit 63.8% zugestimmt (1221 Stimmbeteiligte). Kurz zuvor beschloss der Grosse Gemeinderat am 28.06.2011 das Teilfahrverbot im Schlauch.

Zwei Jahre später, im September 2013, stimmen die Interlaknerinnen und Interlakner dem Ausführungskredit «Neugestaltung Bahnhofplatz West und Bahnhofstrasse, Teilstück Aarmühlestrasse bis und mit Westbahnhofkreisel» zu (64.4% Ja /1554 Stimmbeteiligte). Die Bauarbeiten werden aufgenommen und dauern bis im Frühjahr 2015 an.

Auch der darauffolgende Rahmenkredit für die «Erneuerung und Umgestaltung der Marktgasse inklusive Kanalisationserneuerung», gegen welchen das Referendum ergriffen wurde, erhält schlussendlich im November 2016 die Zustimmung des Volkes, mit einem Ja-Stimmenanteil von 56.1% (1343 Stimmbeteiligte).

Zuletzt – im November 2017 – heissen die Interlakner die Rahmenkredite für die Erneuerung und Umgestaltung der Centralstrasse (82.6% / 905 Stimmbeteiligte) sowie die Erneuerung und Umgestaltung der Jungfraustrassse, Teilstrecke Savoykreuzung bis Gemeindegrenze Matten (81% / 906 Stimmbeteiligte) gut.

Vorschläge für Interlakens Verkehr liegen vor

Alle Sanierungs- und Umgestaltungsmassnahmen, die im wesentlichen Bestandteil des heute gültigen Verkehrsrichtplans sind, wurden somit vom Volk gutgeheissen. Endlich sieht es danach aus, als könnte der Verkehrsrichtplan vollständig umgesetzt werden. Die weiteren wichtigen Teile – unter anderem die Gestaltung der Ortseingänge, das Informations- sowie das Parkleitsystem – liegen auf dem Tisch (die Gestaltung der Ortseingägne ist derzeit noch blockiert). Und auch für die Verkehrsberuhigung in den Quartieren liegen Vorschläge und Konzepte vor. Die weitere Bearbeitung dieser wichtigen Anliegen wird durch die bevorstehende Abstimmung über die Verkehrsinitiative blockiert. Sollte die Initiative angenommen werden, können diese Massnahmen vorerst nicht weiterverfolgt werden, da es nicht klar ist, ob sie mit dem von den Initianten geforderten, neuen Verkehrsrichtplan kompatibel sind. Das heisst nichts anderes, als dass das Verkehrschaos und die Diskussionen in unserer Gemeinde bei einer Annahme der Initiative weiter anhalten. Wollen wir tatsächlich noch weitere Jahre verstreichen lassen, bis wir unsere Verkehrszukunft endlich richtig an die Hand nehmen können?

Baustellen in und um Interlaken ab 2009

2009-2012: Mikrotunnel Höheweg/Bahnhofstrasse

2012: Sanierung Altstadt Unterseen

2012/13: Ersatz Aarebrücke

2013/14: Sanierung Waldeggstrasse

2015/16: Goldswilviadukt

2015: Seestrasse Unterseen

2014/15: Mattenleitung

2016: Weitere Sanierungsarbeiten Altstadt Unterseen

Die Jungfrau Zeitung hat die Verkehrsgeschichte in Interlaken ebenfalls als Thema aufgenommen, zum Artikel «Aus der Armbrust wird ein Schlauch»

Die Berichte und deren Grundlagen aus der «nichtständigen Kommission Verkehr», welche sich intensiv mit den Verkehrsproblematiken in der Gemeinde Interlaken befasst hat, haben wir hier zum Nachlesen zusammengestellt.

Stimmen zur Initiative

Beat Künzli

«Bei Annahme der Initiative hätten wir den ganzen Busverkehr auf der Achse Höheweg/Bahnhofstrasse. Dies würde zu einem Verkehrschaos und einen Rückschritt in unserer Verkehrspolitik führen. Deshalb NEIN zur Initiative.»

Beat Künzi Komitee Pro Interlaken, GGR Interlaken

schriftzug-pro-interlaken@2x

Das Komitee Pro Interlaken ist ein Zusammenschluss von Interlakner Stimmbürgerinnen und -stimmbürgern, die sich für eine lösungsorientierte und zukunftsfähige Verkehrspolitik in Interlaken stark machen.

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