Der Titel der Initiative «Keine Verkehrsverlagerung in Wohnquartiere» suggeriert zwar, dass es den Initianten um verkehrsberuhigte Quartiere geht. Die Aussage, dass die Zentrumsachse Bahnhofstrasse-Höheweg gleichzeitig ganzjährig durchgehend mit Motorfahrzeugen aller Art befahrbar sein muss, zeigt aber ein anderes Bild auf. 

Eine durchgängig befahrbahre Achse mitten durch das Zentrum von Interlaken trägt nicht zur Verkehrsberuhigung der Quartieren bei. Mehr Verkehr im Zentrum, heisst auch mehr Verkehr in den direkt angrenzenden Quartieren. 

Die Verkehrssituation in Interlaken hat sich während der letzten Jahre ständig verändert. Zahlreiche Baustellen verschärften die Problematik, gleichzeitig wurden grosse Teile des 1999 in Kraft gesetzten Verkehrsrichtplans Bödeli («crossbow») umgesetzt. Die Zahl der Reisebusse, die täglich Gäste nach Interlaken bringen, ist laufend angestiegen. Zudem reisen immer mehr Gäste mit dem Privat- oder Mietauto nach Interlaken.

Eingereicht wurde die Initiative am 18. September 2014 mit ca. 890 gültigen Unterschriften. Die Einreichung fand kurz nach der Sperrung des «Schlauchs» (7. März 2014) statt. Fast auf den Tag genau drei Jahre später entscheidet die Interlakner Bevölkerung am 4. März 2018 über das Anliegen der Initianten an der Urne. 

Während den letzten drei Jahren hat sich der gesperrte «Schlauchs» bewährt. Nach einer ersten Phase der Angewöhung sind die kritischen Stimmen leiser geworden. Das Zentrum in Interlaken wurde aufgewertet, der Verkehr auf der Hauptachse Höheweg und im Zentrum wurde gemäss den Vorgaben des Verkehrsrichtplans reduziert. 

Eine Annahme der Initiative «Keine Verkehrsverlagerung in die Wohnquartiere» bedeutet einen Rückschritt auf Feld Eins. Der aktuelle Verkehrsrichtplan müsste einem neuen weichen. Ein Verfahren, dass zwischen drei bis vier Jahren Zeit – im Minimum – beansprucht. Zudem müssen dem neuen Verkehrsrichtplan wiederum sämtliche drei Bödeli-Gemeinden zustimmen.

Während dieser Zeit sind keine verkehrsberuhigenden Massnahmen in den Quartieren möglich. Zudem ist eine Verlagerung des Verkehrs zurück auf die «schnelle» Zentrumsachse Bahnhofstrasse–Höheweg zu erwarten. Über 200 Reisecars, zahlreiche Mietwagen und Privatautos würden diesen Weg täglich nutzen. Die Situation auf dem engen Strassenabschnitt zwischen Postplatz und Splendid führt zu Rückstaus und gefährlichen Situationen für alle Verkehrsteilnehmenden. Der öffentliche Verkehr kann den Fahrplan nicht mehr einhalten. Chaos statt Verkehrsberuhigung.

Diesem Szenario bieten wir nicht Hand! Darum: Nein am 4. März 2018 zur Verkehrsinitiative!